Bava Kamma 138

Kapitel 138

א הלוקח יין מבין הכותים אומר שני לוגין שאני עתיד להפריש הרי הן תרומה עשרה מעשר ראשון ט' מעשר שני ומיחל ושותה מיד דברי ר"מ
1 Wenn jemand von Samaritanern Wein gekauft hat, so spreche er: zwei Log [von hundert], die ich absondern werde, sollen Hebe, zehn erster Zehnt und neun zweiter Zehnt sein; diesen lasse er ausgeweiht sein und er darf sofort trinken – so R. Meír;
ב ר' יהודה ור' יוסי ור"ש אוסרין
2 R. Jehuda, R. Jose und R. Šimo͑n verbieten es. –
ג אמרי סוף סוף אמאי קא אפכת לה למתניתין משום דקשיא דר' יהודה אדר' יהודה השתא נמי קשיא דר' יוחנן אדרבי יוחנן
3 Du hast ja die Lehre deshalb umgewendet, weil sich sonst R. Jehuda in einem Widerspruche befinden würde, jetzt aber befindet sich ja R. Joḥanan in einem Widersprüche;
ד דאמרת לר' יוחנן לא תימא כל הנלקט אלא אימא כל המתלקט אלמא אית ליה ברירה והא רבי יוחנן לית ליה ברירה
4 du sagtest, nach R. Joḥanan lese man nicht: was gesammelt worden ist, sondern: was gesammelt werden wird, wonach es nach ihm eine fiktive Sonderung gibt, während es nach R. Joḥanan keine fiktive Sonderung gibt,
ה דאמר רב אסי א"ר יוחנן האחין שחלקו לקוחות הן ומחזירין זה לזה ביובל
5 denn R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans, Brüder, die [Grundbesitz] geteilt haben, gelten als Käufer und erstatten im Jobeljahre einander zurück!? –
ו אלא לעולם כל הנלקט
6 Vielmehr, tatsächlich lese man: was gesammelt worden ist,
ז ורבי יוחנן סתמא אחרינא אשכח דתנן אין הגונב אחר הגנב משלם תשלומי כפל אמאי בשלמא לגנב ראשון לא משלם (שמות כב, ו) וגונב מבית האיש ולא מבית הגנב אלא לבעלים נשלם
7 aber R. Joḥanan fand eine andere anonyme Lehre. Wir haben nämlich gelernt: Wer vom Diebe stiehlt, zahlt das Doppelte nicht. Weshalb denn nicht: allerdings zahle er es nicht an den ersten Dieb, denn es heißt:<i>und es aus dem Hause des Betreffenden gestohlen wird,</i> nicht aber, wenn aus dem Hause des Diebes, aber an den Eigentümer sollte er es doch zahlen!?
ח אלא לאו ש"מ זה לפי שאינו שלו וזה לפי שאינו ברשותו
8 Doch wohl an den einen nicht, weil es nicht sein Eigentum ist, und an den anderen nicht, weil es nicht in seinem Besitze war. –
ט ומאי חזית דאזיל בתר ההיא סתמא ליעביד כי האי סתמא דצנועין
9 Was veranlaßt dich zu erklären, daß er sich auf diese anonyme Lehre stützt, vielleicht auf die von den Strengfrommen!? –
י משום דמסייע ליה קרא (ויקרא כז, יד) ואיש כי יקדיש את ביתו קדש לה' מה ביתו ברשותו אף כל ברשותו
10 Weil diese durch einen Schriftvers unterstützt wird, denn es heißt:<i>wenn jemand, sein Haus dem Heiligtume weiht;</i> wie sein Haus sich in seinem Besitze befindet, ebenso alles andere, wenn es sich in seinem Besitze befindet.
יא אמר אביי אי לאו דא"ר יוחנן צנועין ורבי דוסא אמרו דבר אחד הוה אמינא צנועין אית להו דרבי דוסא ורבי דוסא לית ליה דצנועין
11 Abajje sagte: Hätte R. Joḥanan nicht gesagt, die Strengfrommen und R. Dosa lehren dasselbe, würde ich gesagt haben, die Strengfrommen sind der Ansicht R. Dosas, R. Dosa aber nicht der der Strengfrommen.
יב צנועין אית להו דרבי דוסא ומה בגנב עבדו רבנן תקנתא עניים צריכא למימר ר' דוסא לית ליה דצנועין עניים הוא דעבדו להו רבנן תקנתא אבל גנב לא עבדו ליה רבנן תקנתא
12 Die Strengfrommen sind der Ansicht R. Dosas: wenn die Rabbanan für einen Dieb eine Vorsorge getroffen haben, um wieviel mehr für die Armen; R. Dosa aber ist nicht der Ansicht der Strengfrommen, denn für die Armen haben die Rabbanan eine Vorsorge getroffen, für einen Dieb aber haben sie keine Vorsorge getroffen.
יג אמר רבא אי לאו דא"ר יוחנן צנועין ורבי דוסא אמרו דבר אחד הוה אמינא מאן תנא צנועין ר"מ היא
13 Raba sagte: Hätte R. Joḥanan nicht gesagt, die Strengfrommen und R. Dosa lehren dasselbe, würde ich gesagt haben, der Autor der Lehre von den Strengfrommen sei R. Meír.
יד לאו אמר ר"מ מעשר ממון גבוה הוא ואפילו הכי לענין פדייה אוקמיה רחמנא ברשותיה דכתיב (ויקרא כז, לא) ואם גאל יגאל איש ממעשרו חמשיתו יוסף עליו
14 R. Meír sagt, der Zehnt sei Eigentum Gottes, dennoch ließ ihn der Allbarmherzige hinsichtlich der Auslösung in den Besitz [des Eigentümers] übergehen, denn es heißt: <i>wenn jemand einen Teil seines Zehnten einlöst, so hat er ein Fünftel des Betrages zuzufügen;</i>
טו קרייה רחמנא מעשרו ומוסיף חומש
15 der Allbarmherzige nennt ihn seinen Zehnten, und er muß ein Fünftel zufügen.
טז כרם רבעי נמי גמר קדש קדש ממעשר כתיב הכא (ויקרא יט, כד) קדש הלולים וכתיב גבי מעשר (ויקרא כז, ל) וכל מעשר הארץ מזרע הארץ מפרי העץ לה' הוא קדש
16 Hinsichtlich des vierjährigen Weinberges folgere man es durch [das Wort] <i>heilig</i> vom Zehnten: hierbei heißt es:<i>heilig für eine Dankfeier,</i> und beim Zehnten heißt es: <i>alle Zehnten vom Boden, von der Saatfrucht, sind für den Herrn heilig;</i>
יז מה קדש דכתיב גבי מעשר אע"ג דממון גבוה הוא לענין פדייה אוקמיה רחמנא ברשותיה אף האי קדש נמי דכתיב גבי כרם רבעי אע"ג דלאו ממון דידיה הוא לענין אחולי אוקמיה רחמנא ברשותיה
17 wie der Allbarmherzige den Zehnten, bei dem [das Wort] <i>heilig</i> gebraucht wird, obgleich er Eigentum Gottes ist, hinsichtlich der Auslösung in den Besitz [des Eigentümers] übergehen ließ, ebenso ließ der Allbarmherzige den vierjährigen Weinberg, bei dem [das Wort] <i>heilig</i> gebraucht wird, obgleich er nicht sein Eigentum ist, hinsichtlich der Auslösung in seinen Besitz übergehen.
יח דהא כי איתיה ברשותיה נמי הא לאו דידיה הוא והא מצי מחיל משום הכי מצי מחיל
18 Aber nur diesen, der auch wenn er in seinem Besitze ist, nicht ihm gehört, und den er dennoch auslösen kann, kann er auslösen,
יט אבל גבי לקט כיון דממונא דידיה כי איתיה ברשותיה הוא דמצי מפקר ליה כי ליתיה ברשותיה לא מצי מפקר ליה
19 die Nachlese aber, die sein Eigentum ist, kann er nur dann preisgeben, wenn sie sich in seinem Besitze befindet, nicht aber, wenn sie sich nicht in seinem Besitze befindet.
כ אמר רבינא אי לאו דא"ר יוחנן צנועין ורבי דוסא אמרו דבר אחד הוה אמינא מאן תנא צנועין רבי דוסא היא כי היכי דלא תקשי סתם משנה לרבי יוחנן ורבי יוחנן
20 Rabina sagte: Wenn R. Joḥanan nicht gesagt hätte, daß die Strengfrommen und R. Dosa dasselbe lehren, würde ich gesagt haben, der Autor der Lehre von den Strengfrommen sei R. Dosa, damit nicht aus einer anonymen Lehre ein Einwand gegen R. Joḥanan zu erheben sei,